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09:21 15.06.2018
Bückeburgs Bürgermeister Reiner Brombach im historischen Saal des Rathauses. FOTO: DKA

Von Dietmar Kamp  

Der gebürtige Mindener Reiner Brombach ist seit 2006 Bürgermeister der Stadt Bückeburg. Vorher war er viele Jahre Stadtdirektor der ehemaligen Residenzstadt.

Herr Brombach, so gut wie Sie kennt vermutlich kaum jemand Bückeburg. Was ist das Besondere an dieser Stadt?

Bückeburg ist eine kleine, aber sehr komplexe Stadt. Ein sehr schöner Wohnort. Das Leben hier ist lebenswert, weil man vor Ort fast alle Grundbedürfnisse befriedigen kann und für Anderes verkehrsmäßig gut angebunden ist. Ich bin in einer halben Stunde in Hannover oder Bielefeld.

Bückeburg bietet für Wohnen, Arbeiten und auch für die Freizeit Möglichkeiten, um die uns viele andere Kleinstädte beneiden. Das kulturelle Angebot, nach dem immer alle fragen, ist gut. Veranstaltungen wie die Landpartie, der Weihnachtszauber und die Ritterspiele haben Bückeburg weit über den Landkreis hinaus bekannt gemacht. Das gastronomische Angebot ist gut und vielseitig und das Freizeitangebot ist umfassend. Ich sage immer gern, außer Hochseesegeln und alpiner Skisport ist hier fast alles möglich. Bückeburg hat eine natürliche, schöne Umgebung.

Wie ist denn Bückeburg wirtschaftlich aufgestellt?

Die Betriebe in Bückeburg sind eher kleinerer Art. Wir haben hier mehr als 1000 Betriebsstätten. Vom Ein-Mann- Betrieb bis zu „Bauerngut“ oder zur Neschen AG. Sie alle kommen gut zurecht und ergeben wirtschaftlich ein großes Ganzes. Wie alle Kommunen haben wir in den letzten Jahren auch Unternehmen verloren. Das sind Verluste, die aber ausgeglichen werden konnten. Die Bautätigkeiten haben gerade jüngster Zeit enorm zugenommen. Wirtschaftsunternehmen sind heute durchaus bereit, auch auf das Land zu gehen, wenn eine gute digitale Vernetzung und vor allem eine gute Verkehrsanbindung möglich sind. Beides ist in Bückeburg gegeben. Wir haben den Breitbandausbau vorangetrieben, Autobahn und Bundesstraßen sind gut erreichbar und wir haben sogar einen Hafen am Mittellandkanal.

Innerhalb der Stadt werden viele hochwertige und damit teure Wohnungen gebaut. Wird Bückeburg dadurch zur Seniorenstadt?

Wir freuen uns auch sehr über die rege Bautätigkeit innerhalb der Stadt, weil dadurch viele Baulücken geschlossen werden können. Dort entstehen komfortable zentrumsnahe Wohngebiete. Senioren, die in diese Wohnungen ziehen, machen andererseits Häuser frei, die dann wieder von jungen Familien bewohnt werden können. Ohnehin ist Bückeburg durch seine Standortvorteile gerade für junge Menschen durchaus attraktiv.

Außenstehende haben oft den Eindruck, dass die Bückeburger ihre Stadt nicht genug wertschätzen. Was könnte denn hier besser werden?

Es gibt immer und überall etwas zu verbessern. Darum ist die Verwaltung der Stadt auch stets bemüht. Nicht nur Bückeburger, sondern generell Bürger unserer Region leben sehr gern hier. Das haben Umfragen bestätigt. Sie sind aber über die Maßen kritisch. Ich höre zum Beispiel sehr häufig: ,In Bückeburg ist es schmutzig!‘ Das würden sie aber niemals außerhalb von Schaumburg erzählen. Dort würden sie unsere Region und das Leben hier vehement verteidigen.


Wie im Kettenkarussell

Der erste Segelflug beim Bückeburger Luftsportverein / Windgeräusche und Luftlöcher

Aus der Vogelperspektive bietet sich eine unvergleichliche Aussicht auf die Schaumburger Landschaft. FOTOS: PR.
Aus der Vogelperspektive bietet sich eine unvergleichliche Aussicht auf die Schaumburger Landschaft. FOTOS: PR.

Von Heidrun Harste

Der erste Segelflug meines Lebens hat mit dem Anlegen eines Fallschirms und dem nicht ganz einfachen Einstieg in das kleine Flugzeug begonnen. Mit Hilfe von zwei Fliegern des Luftsportvereins Bückeburg gelang es, mich trotz meiner zwei Knieprothesen in den Segelflieger zu bekommen.

Nun ging es los. Mit lautem Rumpeln wurde der kleine Flieger an der Seilwinde über den Flugplatz gezogen. Nach einigen hundert Metern ging es in die Luft, und der Pilot, Jan Tied (54) aus Stadthagen, klinkte das Seil aus. Er schraubte den Flieger in Kurven in die Höhe, um den Aufwind zu suchen.

In den ersten Minuten gelang es mir nicht, den Ausblick über Bückeburg zu genießen. Zu sehr erinnerte mich der Flug an eine Fahrt in einer Achterbahn oder ein sehr hohes Kettenkarussell. Aber Tied beruhigte mich und beteuerte immer mal wieder, das alles in Ordnung sei. Die Geräusche des Windes und die Luftlöcher seien völlig normal. Langsam konnte ich entspannt auf das gesamte Umland schauen. Unter blauem Himmel mit dicken weißen Wolken lag das Schaumburger Land unter uns. Wir flogen über das Schloss, die Hofwiesen mit ihren Teichen, bis zur Porta und sahen Rinteln hinter den Weserbergen liegen. Es war einfach fantastisch.

Der erfahrene Segelflieger Jan Tied nimmt Spätlese-Autorin Heidrun Harte mit auf ihren ersten Flug im Gleiter.
Der erfahrene Segelflieger Jan Tied nimmt Spätlese-Autorin Heidrun Harte mit auf ihren ersten Flug im Gleiter.

Der Pilot versuchte immer wieder, sich hoch unter die dicken Wolken zu schrauben. Dort gab es den Aufwind, den wir brauchten. Er sagte: „Das macht die Faszination des Fliegens aus; die Technik des Fluggerätes zu beherrschen, den Wind zu suchen und die Freiheit hoch in der Luft zu genießen! Das ist es, was einen nicht wieder los lässt von der Fliegerei!“

Auch bei der Landung rumpelte es tüchtig über die große Wiese am Weinberg. Drei andere Flieger nahmen uns in Empfang, halfen mir beim Aussteigen und rollten das Flugzeug wieder an die Startposition. Dort wartete schon eine 14-jährige Flugschülerin auf ihren Ausbildungsflug. Ich stellte fest, das Segelfliegen ein Mannschaftssport ist. Niemand kann allein fliegen, immer braucht es Hilfe von Vereinskameraden. „Zum Starten benötigt es immer einen Flugleiter, einen ausgebildeten Fluglehrer und einen Windenfahrer“, berichtete Tied, nachdem er mich wieder sicher auf die Wiese gebracht hatte.

Altersgemischt von 14 Lenzen bis in Seniorenalter ist man gemeinsam auf dem Flugplatz. Eine junge Mutter war gerade in der Luft, während die Kollegen auf ihren sechsmonatigen Sohn achteten, der ruhig in seinem Buggy schlief. Wahrscheinlich wird er in wenigen Jahren auch fliegen dürfen. So wie Lennard Nerge, der heute im Vorstand des Vereins tätig ist. Mit seinem Urgroßvater Herbert Kurz durfte er mitfliegen, bis er mit 14 Jahren den Flugschein machte.

Kurz war maßgeblich an der Gründung des Vereins beteiligt. Aus dem Zusammenschluss eines Bundeswehr- Sportvereins und einer privaten Sportvereinigung entstand in den sechziger Jahren der Luftsportverein. Der hat heute 198 Mitglieder, darunter gibt es 32 aktive Fliegerinnen. Zurzeit werden zehn junge Flugschüler ausgebildet. Ab 14 Jahren kann mit der Ausbildung begonnen werden. Für Interessierte ist ein Mitflug möglich, sowohl im Segelflugzeug als auch in einem Motorflugflugzeug. Auf der Internetseite des Vereins kann man dafür einen Gutschein erwerben. Für viele sicher ein tolles Geschenk!


Heimliche Hauptstadt

KOLUMNE WILHELM SÖHLKE
KOLUMNE WILHELM SÖHLKE

Der Spruch „Das beste an Bückeburg ist die Umgehungsstraße nach Minden“ ist die böswillige Behauptung einiger Zeitgenossen, die noch nicht gemerkt haben, was sich in Bückeburg getan hat. Okay, auch für mich fand Bückeburg in den siebziger und achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts eher nicht statt. Ein hübsches Städtchen, Residenz unseres Fürsten, mehr nicht.

Nun, die Zeiten haben sich geändert, das handelnde Personal wurde ausgetauscht. Es kamen ein junger Fürst und ein fast gleichaltriger Bürgermeister.

Die Bundeswehr hatte Bückeburg sowieso als Standort entdeckt und führte die Tradition der „Bückeburger Jäger“ fort. Dazu das Ausbildungszentrum für Hubschrauberpiloten in Achum. Nicht zuletzt dadurch entwickelte sich in der Stadt eine im Schaumburger Land einmalige Kneipenszene, die an Vielfalt und Lebendigkeit bis heute Bestand hat.

Der Einzelhandel prosperierte langsam aber stetig und von weitsichtigen Stadtvätern wurden frühzeitig Gewerbegebiete ausgewiesen. Mit anderen Worten: Bückeburg schaffte ein wirtschaftsfreundliches Klima.

Das zarte Pflänzchen Touristik wurde vom Fürstenhaus zum Blühen gebracht. „Landpartie“ und „Weihnachtszauber“ sind heute feste Bestandteile im Veranstaltungskalender. Darüber kann man geteilter Meinung sein. Aber die Besucher dieser Events lassen schon den einen oder anderen Euro in Bückeburg.

Der Wohnungsbau kommt kaum mit der Nachfrage nach und Bückeburg widerlegt damit die Behauptung, dass Bevölkerungswachstum nur noch an vielbefahrenen Autobahnabfahrten möglich ist. Nein, die Rahmenbedingungen müssen einfach stimmen. Und das scheint in Bückeburg der Fall zu sein. Schulen, Sport, Kultur, Wirtschaft, Einkaufen – alles vorhanden.

Bückeburg hat sich zur heimlichen Hauptstadt unseres Landkreises entwickelt.


Arbeitskreis plant zweites Halbjahr

Vor der Sommerpause trifft sich der Senioren- Arbeitskreis Schaumburg am kommenden Montag, 11. Juni, zum vorläufig letzten Mal. Beginn ist um 10 Uhr im Kulturzentrum Alten Polizei an der Obernstraße 29 in Stadthagen. Geplant ist unter anderem, ein Resümee des ersten Halbjahres 2018 zu ziehen. Außerdem steht die Themenplanung für das zweite Halbjahr auf dem Programm. Diskutiert werden sollen Dauerbrenner wie ÖPNV oder bezahlbare Seniorenwohnungen in den Ortszentren. Weitere Vorschläge sind willkommen. Die erste Sitzung nach der Sommerpause ist für den 13. August terminiert. fw


Hören & sehen

- Sonnabend, 9. Juni:
WDR 5, 17.05 Uhr. Kriminalhörspiel: Tod eines Fußballers. Der 19-jährige Kevin hat seine Mannschaft in die 1. Bundesliga gekickt. Als er auf dem Spielfeld zusammenbricht und stirbt, steht ein Dopingverdacht im Raum.

- Sonntag, 10. Juni:
NDR-Info, 17.05 Uhr. Wie viel Digitalisierung verträgt die Kirche?

- Montag, 11. Juni:
ONE-Fernsehen, 20.15 Uhr. Spielfilm: Phoenix. Deutschland nach dem Krieg. Schwer verletzt hat Nelly Lenz das Konzentrationslager überlebt und trifft nach einer Gesichtsoperation auf ihren Mann. Doch Johnny erkennt sie nicht. Er engagiert sie aber, in dem Glauben, dass seine Frau tot ist, als Doppelgängerin, um an ihr Erbe zu kommen.

- Dienstag, 12. Juni:
Phoenix, 16.45 Uhr. Grenzerfahrung. Ein Tag auf beiden Seiten der Oder. Die Grenze zwischen Deutschland und Polen wird wieder spürbarer.

- Mittwoch, 13. Juni:
rbb-Fernsehen, 20.15 Uhr. Wie gut heilt die Natur? Immer mehr Menschen hoffen auf Gesundung durch sanfte Medizin. Doch was kann die sanfte Medizin leisten?

- Donnerstag, 14. Juni:
tagesschau 24, 20.15 Uhr. Pflege: Hilft denn keiner? Rund 2,5 Millionen Menschen in Deutschland sind pflegebedürftig. Derzeit werden zwei Drittel der Pflegebedürftigen von Angehörigen gepflegt. Doch immer weniger Angehörige sind dazu bereit oder in der Lage, nicht zuletzt wegen des Armutsrisikos, das damit einhergeht.

- Freitag, 15. Juni:
Arte, 15.55 Uhr. Tierisch alt! Am Beispiel von Elefanten, der Aldabra-Riesenschildkröte, die bis zu 250 Jahre alt werden kann, oder der nahezu unsterblichen Süßwasserpolypen werden Aspekte wie Langlebigkeit und Vergreisung untersucht. Welche Vorteile hat ein hohes Alter in der Natur? toe

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