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Home Sonderthemen Bauen/Wohnen Bloß nicht mit Rohrreiniger
08:48 12.06.2019
Wenn sich Verstopfungen nicht anders lösen lassen, muss man einen freiliegenden Siphon auseinanderschrauben und reinigen. FOTOS: DIY-ACADEMY

LANDKREIS. Wer lange Haare hat, kennt das Problem auf jeden Fall: Die Abflüsse im Bad verstopfen schnell. Seifenreste tragen ebenfalls dazu bei. Was aber tun, wenn sich Haare sowie Fette und andere Biostoffe in den Leitungen festsetzen und diese dichtmachen? Das beste Rezept ist denkbar einfach.

Ulrich Opitz ist Heimwerker-Trainer an der Do-it-yourself-Academy in Köln und Sachverständiger für Bau- und Versicherungsschäden. Im Interview erläutert er, wie man Verstopfungen selbst wieder löst – und auf welche naheliegenden Hilfsmittel man verzichten sollte, damit der Schaden nicht noch schlimmer wird.
 

Mit der Zeit verstopfen Abflüsse: Das liegt an den Fetten in Seifen- oder Essensresten. FOTO: DPA
Mit der Zeit verstopfen Abflüsse: Das liegt an den Fetten in Seifen- oder Essensresten. FOTO: DPA

Was sollte man tun, wenn das Rohr verstopft ist?

Man sollte versuchen, das Ganze wegzuspülen. Man verschließt den Abfluss und zieht möglichst dicke Gummihandschuhe an, so dass man sich nicht verbrüht. Das Waschbecken oder die Spüle wird nun mit heißem Wasser gefüllt, und dann zieht man den Stöpsel. Mit der großen Wassermenge hat man einen höheren Druck. Zudem sorgt die Hitze hoffentlich dafür, dass sich im Abfluss vorhandene Stoffe lösen. Denn Seifen und ähnliche andere Sachen – zum Beispiel Rasierschaum – enthalten eine gewisse Menge Fett, die durch das heiße Wasser aufweicht.
 

Sollte man dies öfter machen?

Es ist grundsätzlich zu empfehlen, dass man Abflüsse alle vier Wochen mal mit richtig heißem Wasser durchspült. Sie können sonst zwar die Fette mit Spülmitteln und Seifen lösen, aber sobald sie im Abfluss erkalten, wird die Emulsion wieder fest – wie weiches Wachs. Die Fette sind nicht kaputt, die Fettketten sind nur aufgebrochen. Verdunstet dann das Wasser, bleibt das Fett als eine Art Wachsschicht zurück. Das sorgt auf Dauer für Verstopfungen. Gibt man wieder heißes Wasser dazu, löst sich die Schicht. Das können Sie selbst mal ausprobieren: Füllen Sie etwas Öl und Wasser in ein Glas und geben Sie ein bisschen Spülmittel dazu. Es entsteht eine milchig-weiße Emulsion.
 

Mit einer flexiblen Bürste lassen sich die Rohre reinigen.
Mit einer flexiblen Bürste lassen sich die Rohre reinigen.

Was tut man, wenn das Spülen nicht hilft?

Dann muss ich schauen, ob ich den Siphon auseinanderschrauben und so reinigen kann. Das ist nur bei offen liegenden Siphons möglich. Bei Badewannen oder Duschen geht das überhaupt nicht – und man sollte auch tunlichst die Finger davon lassen. Manche Badewannen-Einläufe haben auch noch eine sichtbare Verschraubung. Versucht man diese Verschraubung zu öffnen, um nur den Deckel zu entfernen, löst man allerdings den gesamten Abfluss von der Badewanne oder von der Dusche – und ein immenser Schaden kann entstehen.

Worauf muss man achten, wenn man den Siphon auseinanderschraubt?

Auch beim Siphon an Waschtischen sollte man nicht zu weit gehen. Ein normaler Siphon geht senkrecht nach unten und macht dann einen Bogen – in diesem steht Wasser. Dann geht’s wieder nach oben und in die Wand. Meistens kann man das Ganze bis zu dem Punkt, wo das Rohr in die Wand geht, auseinandernehmen. Aber Achtung: Ein Gefäß unterstellen, um das Wasser aufzufangen. Von allem, was sich dahinter befindet, sollte man die Finger lassen – und zwar aus einem einfachen Grund: Wenn man dort eine Befestigung oder eine Dichtung beschädigt oder sie verrutscht, sind Wasserschäden möglich.
 

Ulrich Opitz
Ulrich Opitz

Wie gehe ich mit Verstopfungen in diesen Bereichen um?

Dann muss ein Handwerker ran. Bei der Badewanne kann man aber vorher noch schauen, ob man Haare und andere Rückstände einfach aus dem Sieb fischen kann. Das zweite, was man auf eigenes Risiko probieren kann, ist das Spülen des Abflusses mit einem relativ festen Wasserstrahl. Dafür schraube ich bei einer Handbrause den Kopf ab und halte den Wasserstrahl direkt auf den Abfluss. Der Abfluss muss aber fest montiert sein, sonst produziert man hier schnell einen Schaden.

Was sollte ich auf keinen Fall einsetzen?

Chemische Mittel. Durch die Reaktion kann es in einem Siphon erst recht zu Verklumpungen und Verhärtungen kommen. Die chemische Reaktion und die dabei entstehende Wärme können zu Verätzungen des Kunststoffs oder auch des Metalls führen. Und ich würde auf Chemie grundsätzlich verzichten, weil die Anwendung für die Person nicht ungefährlich ist und die Stoffe nicht gut für unsere Umwelt sind. Je weniger in den Klärwerken landet, umso besser. dpa
 

LANDKREIS. Mieter sollten Reparaturen wie das Auseinanderschrauben des Siphons nicht ohne Absprache mit dem Vermieter vornehmen. „Grundsätzlich gilt bei all diesen Dingen, bei Eigentum darf ich machen, was ich will“, betont Ulrich Opitz, Heimwerker-Trainer und Sachverständiger für Bau- und Versicherungsschäden. „Wenn ich in einem Mietobjekt bin, sollte ich vorher meinen Vermieter kontaktieren. Denn wenn ich etwas kaputt mache, muss ich rechtfertigen, warum ich durch fehlende Sachkenntnis einen Schaden selbst produziert habe.“ dpaLANDKREIS. Mieter sollten Reparaturen wie das Auseinanderschrauben des Siphons nicht ohne Absprache mit dem Vermieter vornehmen. „Grundsätzlich gilt bei all diesen Dingen, bei Eigentum darf ich machen, was ich will“, betont Ulrich Opitz, Heimwerker-Trainer und Sachverständiger für Bau- und Versicherungsschäden. „Wenn ich in einem Mietobjekt bin, sollte ich vorher meinen Vermieter kontaktieren. Denn wenn ich etwas kaputt mache, muss ich rechtfertigen, warum ich durch fehlende Sachkenntnis einen Schaden selbst produziert habe.“ dpa

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