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Home Sonderthemen Freizeit/Kultur/Reisen Bloß nicht vergessen
10:25 23.07.2020
Facebook versetzt das Konto eines verstorbenen Nutzers in einen sogenannten Gedenkzustand – sofern das soziale Netzwerk von Familienmitgliedern oder engen Freunden über dessen Tod informiert wird. FOTO: DPA

LANDKREIS. Das Mail-Postfach, Bilder, Videos und Chatverläufe auf Facebook, Twitter-Nachrichten und Inhalte in der Cloud: Was soll im Todesfall mit dem digitalen Nachlass geschehen? Je früher man das regelt, desto besser.

Bestattungshaus Becker

Wer von den Hinterbliebenen bekommt im Todesfall was? Beim Erbe haben viele vorrangig Geld beziehungsweise Hab und Gut im Blick. Doch an die digitalen Hinterlassenschaften, an Nutzerkonten bei Facebook oder Instagram, an E-Mail-Postfächer oder Guthaben bei Zahlungsdiensten denken nur die wenigsten Menschen. Jedoch sollte unbedingt geregelt werden, wer darauf Zugriff haben soll.

Ist der Nachlass im Netz überhaupt vererblich? „Grundsätzlich ja“, sagt Rebekka Weiß vom IT-Branchenverband Bitkom und verweist auf ein Urteil des Bundesgerichtshofs (Az.: III ZR 183/17) aus dem Sommer 2018. Der BGH hat damals entschieden, dass die Eltern eines verstorbenen Mädchens als Erben Zugriff auf deren Facebook-Konto bekommen sollen.

Die Richter stellten grundsätzlich klar: Auch digitale Inhalte werden vererbt. Demnach treten Erben in die Nutzungsverträge ein, die Verstorbene zu Lebzeiten beispielsweise mit Musik-Streamingdiensten, E-Book-Anbietern, Cloud-Diensten und sozialen Netzwerken geschlossen haben.

Zugangsdaten an sicherem Ort aufbewahren

Damit Erben jederzeit auf den digitalen Nachlass zugreifen können, ist es wichtig, dass sie über die jeweiligen Zugangsdaten verfügen. Deshalb sollte man sich irgendwann einmal die Zeit nehmen, eine Übersicht mit all seinen Accounts samt Benutzernamen und Kennwörtern zu erstellen und diese an einem sicheren Ort zu hinterlegen. „Und mit ,sicher‘ ist hier nicht die Schreibtischschublade gemeint“, sagt Weiß. „Man kann die Übersicht zum Beispiel auf einem verschlüsselten USB-Stick speichern und in einem Tresor oder Bankschließfach aufbewahren.“

Und die Zugangsdaten einfach ins Testament schreiben? „Das macht wenig Sinn“, betont Eberhard Rott. Dem Fachanwalt für Erbrecht zufolge kann es mehrere Monate dauern, bis nach dem Tod ein Testament eröffnet wird. Zwischenzeitlich gehe womöglich viel wertvolle Zeit verloren, die Erben hätten nutzen können, um auf Wunsch des Verstorbenen hin beispielsweise private Fotos und Videos sowie Chatverläufe zu löschen.

Vertrauensperson als digitaler Nachlassverwalter

Konkret empfiehlt sich dieses Vorgehen: Man setzt eine Vollmacht auf und ermächtigt darin eine Vertrauensperson, nach dem eigenen Tod den digitalen Nachlass zu regeln. Diese Vollmacht sollte neben einem Datum und einer Unterschrift den Zusatz enthalten, dass sie „über den Tod hinaus“ gilt.

Im nächsten Schritt händigt man diese Vollmacht der Vertrauensperson aus. Zudem sollte man nicht vergessen, die Angehörigen darüber zu informieren, wer für den digitalen Nachlass zuständig ist. Die Vertrauensperson wiederum muss davon Kenntnis haben, wo die Zugangsdaten zu den Nutzerkonten zu finden sind – also beispielsweise, wo der USB-Stick deponiert ist.

Liste immer aktuell halten

„Wichtig ist es, die Zugangsdaten immer auf dem aktuellsten Stand zu halten“, betont Bitkom-Expertin Weiß. Kämen neue Nutzerkonten hinzu, müsse man die Daten ergänzen. „Meldet man sich irgendwo ab, entfernt man einfach die entsprechenden Daten von der Liste.“

Übrigens: Auch was mit Daten auf den eigenen Geräten geschieht, sollte Teil der Vollmacht oder der Liste sein. „Man legt am besten fest, was mit Rechner, Smartphone, Tablet und Co sowie den darauf gespeicherten Dingen passieren soll“, schildert Weiß.

Was passiert mit bestimmten Fotos und Videos?

Ebenfalls wichtig: Sich frühzeitig Gedanken darüber machen, welche Videos, Fotos und Chatverläufe Erben sehen und welche sie unter keinen Umständen zu Gesicht bekommen sollen. „Das kann zum Beispiel von Relevanz sein, wenn Fremde – zum Beispiel gemeinnützige Organisationen – die Erben sind“, erklärt Fachanwalt Rott.

Womöglich wolle man nicht, dass hinterbliebene Kinder bestimmte Daten sähen. „In solchen Fällen bietet es sich immer an, einen Testamentsvollstrecker als neutrale Person hinzuzuziehen, der Daten löscht.“ dpa
      

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