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Home Sonderthemen Gesundheit Das unterschätzte Organ
09:12 01.10.2019
Gallengang und Bauchspeicheldrüsengang münden an der gleichen Stelle in den Zwölffingerdarm. Klemmt sich ein Gallenstein vor der Einmündungsstelle ein, kann der Verdauungssaft der Pankreas nicht abfließen. Durch den Stau der Flüssigkeit kommt es zur Entzündung der Bauchspeicheldrüse. GRAFIK: DPA

LANDKREIS. Die Bauchspeicheldrüse wird häufig übersehen. Störungen des Organs können jedoch lebensgefährlich sein. Dabei muss es oft gar nicht so weit kommen.

Viel Alkohol schädigt die Leber: Das wissen die meisten Menschen. Aber dass reichlich Bier, Wein & Co. auch die Bauchspeicheldrüse in Mitleidenschaft ziehen, ist weniger geläufig. Störungen des Organs können unbehandelt sogar lebensbedrohlich sein. Die fachsprachlich genannte Pankreas ist ungefähr 70 Gramm schwer und liegt in der hinteren Bauchhöhle.

Alkoholexzesse reizen die Drüse, die sich so akut oder chronisch entzünden kann. „Hohe Fettspiegel im Blut und Nikotin sind ebenfalls nicht gut für die Bauchspeicheldrüse“, sagt Professor Markus M. Lerch. Er ist Direktor der Klinik für Innere Medizin an der Universitätsmedizin Greifswald.

Auch Bewegungsmangel und Übergewicht können die Drüse krank machen. „Genetische Faktoren spielen mitunter ebenfalls eine Rolle“, erklärt Dagmar Mainz. Sie arbeitet als Fachärztin für Innere Medizin und Gastroenterologie in Saarlouis.

Die Drüse ist ständig aktiv. Ist sie erkrankt, sind ihre beiden lebenswichtigen Funktionen gefährdet. Zum einen produziert sie täglich anderthalb Liter Pankreassaft, der unter anderem aus Wasser und 28 Verdauungsenzymen besteht.

„Dieses Sekret schlüsselt die Nahrung in Kohlenhydrate, Eiweiße und Fette auf und zerkleinert sie“, erläutert Professor Thomas Seufferlein, Ärztlicher Direktor der Klinik für Innere Medizin am Universitätsklinikum Ulm. Zum anderen schüttet das Organ die Hormone Insulin und Glukagon aus. Beide regulieren den Blutzuckerspiegel.
     

Bemerkbar macht sich eine akute Bauchspeicheldrüsenentzündung durch starke Bauchschmerzen. Vom Oberbauch aus können sich die Schmerzen in den Rücken ausweiten. „Oft kommen Übelkeit und Erbrechen dazu“, sagt Mainz.

Weitere Anzeichen können Kreislaufprobleme und ein aufgeblähter Bauch sein. In Deutschland werden laut Lerch jährlich 74 000 Patienten mit einer Pankreatitis ins Krankenhaus aufgenommen, von denen im Schnitt 1500 die Krankheit nicht überleben. „Die zweifelsohne häufigste Störung der Bauchspeicheldrüse ist Diabetes“, sagt Lerch. Erste Anzeichen dafür sind etwa vermehrter Durst und vermehrtes Wasserlassen. Diabetes kann auch als Folge einer Pankreatitis auftreten.

Durch eine chronische Entzündung kann die Bauchspeicheldrüse geschädigt werden und zunehmend vernarben. Neben wiederkehrenden Schmerzen gehe das unter anderem mit Gewichtsverlust, Durchfall, Blähungen und Fettunverträglichkeit einher, erklärt Mainz. Mögliche Folgen: Vitaminmangel und die Knochenkrankheit Osteoporose.

Die Behandlung von Entzündungen der Bauchspeicheldrüse hängt von der Ursache ab. Liegt ein Insulinmangel- Diabetes vor, muss sich der Betroffene regelmäßig selbst Insulin spritzen. Bei Fehlen der Verdauungsenzyme werden diese als Tabletten ersetzt. „Eine Behandlung, die die eigentliche Ursache der Entzündung beseitigt, gibt es bislang nicht“, stellt Lerch klar.
     

Therapiert werden daher in akuten Fällen oft die Komplikationen: Flüssigkeitszufuhr, Medikamente gegen Schmerzen und in manchen Fällen Antibiotika. In jedem Fall ist im Akutstadium rasches ärztliches Handeln angesagt – ansonsten kann die Erkrankung tödlich sein.

Um die Bauchspeicheldrüse zu entlasten, erhält der Patient für einige Zeit keine feste Nahrung. Bei einer leichten Entzündung kann der Betroffene in der Regel nach zwei bis fünf Tagen wieder essen. „Bei einer starken Entzündung besteht die Gefahr, dass sich das Organ selbst verdaut“, sagt Seufferlein.

Um das zu verhindern, muss das durch Verdauungssaft zerstörte Gewebe entfernt werden. Sind Gallensteine die Ursache für die akute Entzündung, können diese heutzutage aus dem Gallengang beseitigt werden. Machen Gallensteine häufiger Probleme, sollte ein Arzt die Gallenblase herausnehmen.

Tückisch ist Bauchspeicheldrüsenkrebs. Bei Tumoren – egal, ob gut- oder bösartig – treten oft lange Zeit keine Symptome auf. Hinweise können anhaltende Rückenschmerzen oder eine akut auftretende Gelbsucht sein. Wer seiner Bauchspeicheldrüse etwas Gutes tun will, sollte Übergewicht abbauen, Alkohol nur in geringen Maßen trinken und sich ausreichend bewegen. dpa


Der Dauerbrenner

Auf Nummer sicher: Wer die Strahlenbelastung beim Telefonieren effektiv senken möchte, greift einfach zum Headset. FOTO: DPA
Auf Nummer sicher: Wer die Strahlenbelastung beim Telefonieren effektiv senken möchte, greift einfach zum Headset. FOTO: DPA

LANDKREIS. Kaum etwas lassen Menschen so nah an ihren Körper wie das Smartphone. Und das, obwohl die Geräte unzweifelhaft strahlen. Doch führt das wirklich zu Hirntumoren oder Unfruchtbarkeit?

Die Dauerdebatte über mögliche Gesundheitsschäden durch Handystrahlung wird aktuell wieder durch den beginnenden Aufbau der 5G-Netze befeuert. Deshalb hat die Stiftung Warentest die gesamte Studienlage zu Mobilfunk und Gesundheit gesichtet und in einer Expertenrunde erörtert – einschließlich neuester Tierstudien („test“-Ausgabe 9/19). Das Fazit: Nach aktuellem Stand der Forschung besteht kaum Grund zur Sorge. Daran ändere auch der 5G-Ausbau nichts.

Wer vorbeugen möchte, kann aber trotzdem einiges tun, teilt das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) mit. Insbesondere für Kinder sind Schutzmaßnahmen demnach besonders wichtig, weil für sie erst vergleichsweise wenige Studien zu möglichen gesundheitlichen Folgen vorliegen. Die Warentester raten zu folgenden Maßnahmen:

Empfang im Auge behalten

Handys passen ihre Sendeleistung den Gegebenheiten vor Ort an. Je schwächer das Mobilfunknetz, desto stärker müssen die Geräte funken. Wer sich schützen möchte, meidet also Telefonate bei schlechtem Empfang, wie er im Zug, in Autos ohne Außenantenne sowie in mangelhaft versorgten Gebieten auftritt.

Handy weg vom Ohr

Die Intensität elektromagnetischer Felder sinkt mit der Entfernung schnell. Bereits wenige Zentimeter machen den Experten zufolge einen riesigen Unterschied. Daher ist das Telefonieren mit einem Headset empfehlenswert. Eine weitere Alternative zum Smartphone am Kopf ist das Freisprechen.

Vorher SAR-Wert prüfen

SAR steht für Spezifische Absorptionsrate und bezeichnet die Menge an Energie, die durch das sendende Handy vom naheliegenden Köpergewebe aufgenommen wird. Der gültige SAR-Höchstwert liegt bei zwei Watt pro Kilogramm. Für jedes Handymodell ermitteln die Hersteller den SAR-Wert mit einem standardisierten Test. Eine Liste mit den Testwerten veröffentlicht das BfS fortlaufend im Netz.

Allerdings kritisieren die Warentester, dass der SAR-Wert bei maximaler Sendeleistung ermittelt wird – eine Leistung, die Handys in der Praxis kaum jemals erreichen. Daher sage der SAR-Wert über die tatsächliche Strahlenbelastung im Alltag wenig aus, so das Fazit. dpa
   

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