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Home Sonderthemen Familie/Kinder/Senioren Abschied im Alter
12:15 09.11.2020
Stirbt der Partner mit dem man Jahrzehnte gemeinsam durchs Leben gegangen ist, bleibt zunächst oft tiefe Trauer. FOTO: DPA

LANDKREIS. Wenn der Partner stirbt, der oft Jahrzehnte mit einem gemeinsam durchs Leben gegangen ist, bleibt odt tiefe Trauer – und insbesondere bei Menschen im hohen Alter manchmal das Gefühl, am liebsten „mitgehen“ zu wollen.

„Das ist erstmal ganz normal“, sagt der Psychologe und Autor Roland Kachler. „Es ist die Sehnsucht, bei dem Verstorbenen zu sein – und auch der Wunsch, dass man dem Alleinsein entfliehen möchte.“

Angehörige sind in so einer Situation meist ratlos. Oder sie geben gut gemeinte, aber meist nicht angebrachte Tipps: zum Beispiel „Schaue nach vorn, wage noch einmal etwas!“

Ausdruck der Sehnsucht

Doch gerade im hohen Alter ab 80 Jahren und mehr gehe es eben häufig nicht mehr darum, neue Aufbrüche zu wagen, sagt Kachler. „Vielmehr sollten die inneren Räume der Erinnerung und des Gedenkens an den Verstorbenen bewusst gelebt werden.“

Der Experte empfiehlt Angehörigen, zunächst den Wunsch des Nachsterbens als Ausdruck der Sehnsucht zu respektieren. Ein hilfreicher Weg für Trauernde, um diesen Wunsch zu überwinden: Sie sollten sich bewusst machen, dass es gut wäre, wenn sie noch eine Weile „hier bleiben“, erklärt Kachler: So könnten sie ihren geliebten Menschen in Erinnerung halten, anderen von ihm erzählen und das Gedenken durch die Pflege des Grabes wachhalten. Und dann gehe man zu ihm, wenn die Zeit des eigenen Sterbens gekommen sei, sagt der Psychologe.

Innere Beziehung finden

Wer seinen Partner verloren hat, sollte sich Zeit lassen für die Trauer“, betont Kachler. Er empfiehlt, in Ruhe Erinnerungen wie Fotos oder alte Briefe zu sortieren. Es könne auch helfen, in Gedanken mit dem Verstorbenen zu sprechen. „Manche haben das Gefühl, das sei verrückt oder nicht erlaubt“, so der Psychologe. Doch das Gegenteil sei der Fall: „Man sollte das innere Gespräch suchen.“

Wer gerne schreibt, kann Briefe an den Verstorbenen verfassen, um damit die Verbindung wachzuhalten. „Es geht im höheren Alter darum, den Verstorbenen zu integrieren und eine innere Beziehung zu ihm zu finden und zu pflegen“, erläutert Kachler. „Das funktioniert über Erinnerungen, das innere Gespräch und durch Rituale wie den Besuch am Grab.“

Manchmal gab es noch Konflikte, die man vor dem Tod des Partners nicht mehr aus der Welt räumen konnte. „Es ist dringend nötig, das Unerledigte noch zu klären – im inneren Gespräch oder mit Briefen“, macht der Psychologe deutlich. Sonst binde das den Verstorbenen auf eine „destruktive Weise“ an einen: „Die schönen Erinnerungen werden so getrübt oder sogar blockiert.“

Gefühl der Wut zulassen

Dem Experten zufolge kann das Alleinsein manchmal auch in Wut umschlagen. „Dieses Gefühl sollten Trauerende zulassen und nicht unterdrücken.“ Egal, ob sie jemand anderem davon erzählen, es aufschreiben oder bewusst einmal richtig jammern oder schimpfen: „Das ist wichtig“, betont Kachler. „Denn unterdrückte Wut kann zu Verbitterung und zu einer Art aggressiver Verschlossenheit führen.“ dpa

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