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Home Sonderthemen Freizeit/Kultur/Reisen „Ein Prosit der Gemütlichkeit“
14:01 20.05.2019
Getty Images/iStockphoto

Jeder kennt das Lied, aber kaum einer den Verfasser: Das Oktoberfest in München hat „Ein Prosit der Gemütlichkeit“ weltberühmt gemacht. Doch Überraschung: Die gesellige Mitsing-Hymne kommt gar nicht aus Bayern.

Auf der „Wiesn“ wurde das Lied bekannt. Inzwischen erklingt es nicht nur während der Oktoberfest-Saison im In- und Ausland: „Ein Prosit der Gemütlichkeit“ ist die Biertrinker-Hymne schlechthin.

Der Ursprung dieses Gassenhauers liegt jedoch weder in München noch in Bayern – sondern in Sachsen. Der heute weitgehend unbekannte Bernhard Traugott Dietrich verfasste Ende des 19. Jahrhunderts in Chemnitz die eingängige Melodie und die prägnanten Zeilen.

Wer war der Mann, der das Lied komponierte, das Generationen mit dem Biertrinken in Verbindung bringen? Geboren wurde Dietrich am 19. August 1840 in Chemnitz. Mit seiner Frau Emilie hatte er sechs Töchter. Einen gewissen Hang zur bierseligen Gemütlichkeit hat er womöglich von seinem Vater mitbekommen.

Denn Johann Traugott Leberecht Dietrich – zunächst als Webermeister geführt – war laut späteren Einträgen im Melderegister „Restaurateur“, also Kneipier. In seinem vorletzten Lebensjahr steht als Beruf Bierverkäufer in den Unterlagen.

Dietrich Junior verdiente den Lebensunterhalt für seine Großfamilie als Buchhalter. Fast 40 Jahre war er bei Gagstädter & Sohn angestellt, einer Firma für Webereierzeugnisse: zunächst als Kontorist und später – bis zu seinem Tod am 23. Oktober 1902 – als Prokurist.

Dietrichs Gassenhauer noch heute in aller Munde ist, ist jedoch auf sein Hobby zurückzuführen. In Chemnitz machte er sich einen Namen als Chorleiter, Sänger und Komponist. Er war Mitglied in dem nach ihm benannten Doppel-Quartett „B.D.“. Zudem gründete er den Theodor Schneider’schen Männergesangverein mit und war viele Jahre dessen Dirigent.

Die Chorleitung würdigte am 30. Oktober 1902 im „Chemnitzer Tageblatt“ sein Ehrenmitglied, es habe dem Gesangverein „in uneigennütziger Weise hervorragende Dienste geleistet“. Vielleicht haben Vereinssitzungen oder Chorproben im Hinterzimmer der Kneipe seines Vaters Dietrich zu seinem „Prosit“ inspiriert.

Wie aber kam das „Prosit der Gemütlichkeit“ nach München? Georg Lang – einem Wirt aus Nürnberg – wird zugeschrieben, dass er das Lied auf der „Wiesn“ etablierte. Der berühmte Zusatz „Oans, zwoa – gsuffa“ geht aber wohl auf das Lied vom Münchener Hofbräuhaus zurück. Schätzungen zufolge wird das „Prosit“ dort zwei- bis dreimal pro Stunde gespielt – und auch bei vielen anderen Feierlichkeiten weltweit prosten sich Besucher bei diesen Klängen gerne zu.

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