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Home Sonderthemen Gesundheit Fluch und Segen in einem
08:45 05.06.2019
Heimliche Zuckerbombe: Fruchtjoghurts sind längst nicht so gesund, wie mancher vielleicht denkt. FOTOS: DPA

LANDKREIS. Alle Welt redet davon, den Zuckerkonsum zu reduzieren – im Kampf gegen diverse Krankheiten oder gegen Übergewicht. Die süßen Körner haben aber auch ihr Gutes. Denn erst die Dosis macht den Energiespender zum Gift. 

„Jetzt etwas Süßes.“ Diesen Impuls haben viele Menschen – oft sogar mehrmals am Tag. Doch oft macht die Nascherei nur kurz glücklich. Sättigend ist sie jedenfalls nicht. Stattdessen kurbelt sie den Appetit sogar an. Hierfür sorgt der in der Leckerei enthaltene Zucker. 

Wer jedoch zu viel Zucker isst und sich dann auch noch zu wenig bewegt, läuft Gefahr, übergewichtig oder fettleibig zu werden. Und auch andere Erkrankungen führen Experten auf einen zu hohen Zuckerkonsum zurück.

„Zucker kann in Verbindung mit Bewegungsmangel und hohem Insulinspiegel auch zu Ablagerungen in den Blutgefäßen führen, wodurch die Gefahr für Herzinfarkt oder Schlaganfall steigt“, sagt Professor Johannes Georg Wechsler. Der Facharzt für Innere Medizin ist Präsident des Bundesverbands Deutscher Ernährungsmediziner (BDEM).

Das bedeute aber nicht, dass Zucker automatisch und zwangsläufig schlecht ist. „Zucker ist ein wichtiger Energielieferant“, sagt Wechsler. Ähnlich sieht es Susanne Umbach vom Verbraucherzentrale Bundesverband: „Essen ist vor allem Genuss, dazu gehört für viele auch Süßes.“ Wie bei so vielen Dingen komme es eben auf das richtige Maß an.
  

Erst den Zucker im Kaffee reduzieren und später ganz weglassen. Dann empfindet man stark Zuckerhaltiges irgendwann als zu süß
Erst den Zucker im Kaffee reduzieren und später ganz weglassen. Dann empfindet man stark Zuckerhaltiges irgendwann als zu süß

Doch was ist die richtige Dosis? Eine Antwort darauf kommt von der Weltgesundheitsorganisation WHO. Deren Empfehlung hat sich die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) angeschlossen. Die Zuckerzufuhr pro Tag sollte demnach nicht mehr als zehn Prozent der Gesamtenergiezufuhr ausmachen. Bei 2000 Kilokalorien (kcal) pro Tag wären das 50 Gramm Zucker – also zehn bis zwölf Teelöffel.

Diese Angabe bezieht sich jedoch auf den sogenannten freien Zucker. Also erstens auf den Zucker, der Nahrung und Getränken zugesetzt wird – zweitens aber auch auf den, der auf natürliche Weise in Honig, Sirup oder Fruchtsäften vorkommt.

Doch den Zucker zu finden, ist oft knifflig. „Abgesehen von zuckerhaltigen Getränken wie Limonaden, wo es offensichtlich ist, steckt selbst in Lebensmitteln häufig Zucker, wo man das gar nicht denkt“, sagt DGE-Sprecherin Antje Gahl. Das können beispielsweise Grillsoßen, Salatdressings, Feinkostsalate aus dem Glas, Fertiggerichte und Dips sein.

Doch selbst wer mit dem Vorsatz einkaufen geht, endlich weniger Zucker zu essen, tappt oft in die Falle. „Auch vermeintlich gesunde Lebensmittel entpuppen sich häufig als Zuckerbomben“, sagt Umbach. Als Beispiel nennt Umbach Fruchtjoghurts.
  

Etwas weniger geht auch: Viele Backrezepte gelingen – und schmecken – mit deutlich reduzierter Zuckermenge immer noch.
Etwas weniger geht auch: Viele Backrezepte gelingen – und schmecken – mit deutlich reduzierter Zuckermenge immer noch.

Hinzu kommt, dass Zucker unterschiedliche Namen hat. Verbraucher sollten sich daher die Zutatenliste eines Produkts genau anschauen. Bei Zutaten mit der Endsilbe „…ose“ heißt es: aufpassen. Denn hinter solchen Namen verbirgt sich Zucker.

Und dann gibt es auch Menschen, die zwar weniger Zucker essen wollen, dies aber nicht können – weil das Verlangen nach Süßem so stark ist, dass sie auf Entzug mit Unwohlsein und Gereiztheit reagieren. „Ein solches Verhalten kann mitunter durchaus suchtartige Züge haben“, sagt Umbach.

Das Gute aber ist: Man kann seinen Geschmack beeinflussen und ihn trainieren. Mit viel Willen und Disziplin kann man sich an weniger Süßes gewöhnen. Ein Anfang kann auch sein, statt zwei Zuckerwürfel nur einen in die Tasse mit Kaffee zu rühren. „Irgendwann empfindet man dann stark Zuckerhaltiges als zu süß und meidet es“, so Umbach.

Weitere Tipps zum Reduzieren von Zucker: Wer unbedingt zuckerhaltigen Fruchtjoghurt essen möchte, kann diesen mit Naturjoghurt strecken. „Das ergibt mehrere Portionen mit geringerem Zuckergehalt“, sagt Umbach. Auch beim Kuchenbacken kann häufig weniger Zucker verwendet werden als im Rezept steht. „Viele Kuchen gelingen dann trotzdem und schmecken auch mit weniger Zucker richtig gut“, so Gahl. dpa


Momente auf dem stillen Örtchen: Farbe und Geruch von Urin können erste Hinweise auf Krankheiten sein – oder darauf, was man zuletzt gegessen hat. FOTO: DPA
Momente auf dem stillen Örtchen: Farbe und Geruch von Urin können erste Hinweise auf Krankheiten sein – oder darauf, was man zuletzt gegessen hat. FOTO: DPA

LANDKREIS. Grün, rot, orange, vielleicht pink oder sogar schwarz. Urin ist längst nicht immer gelb. Und auch nicht immer geruchlos. Die Gründe dafür sind oft harmlos – je nach Farbe und Geruch aber auch sehr ernst.

Bis zu zwei Liter Urin scheidet ein Erwachsener täglich aus. „Wie viel genau es ist, hängt nicht zuletzt von der Trinkmenge ab“, sagt die Professorin Daniela Schultz-Lampel. Sie ist Direktorin des Kontinenzzentrums Südwest am Schwarzwald-Baar-Klinikum und Mitglied im Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU).

Ist der Urin gesund, besteht er zu 95 Prozent aus Wasser. Beim Rest handelt es sich um Abbauprodukte: zum Beispiel Harnstoff, Säuren und Salze. Die reguläre Farbe ist hell- bis dunkelgelb. „Je weniger jemand trinkt, desto tiefgelber ist der Urin“, erklärt Schultz-Lampel.

Doch manchmal nimmt die Flüssigkeit auch andere Farben an. Das kann harmlos sein – oder ein Anlass, zum Arzt zu gehen. So kann anhaltend dunkelgelber Urin zum Beispiel ein Hinweis auf eine Leber- oder Gallenerkrankung sein.

„Im Idealfall hat Urin eine Farbe wie Champagner“, sagt der Heilpraktiker René Gräber. Hinter trübem Urin kann sich ein Harnwegsinfekt verbergen. „Eher selten ist ein grünlich gefärbter Urin“, sagt Schultz-Lampel. Dann liegt eventuell eine Infektion mit Bakterien vor. Auch bestimmte Medikamente wie Antidepressiva können diese Färbung verursachen. Schaumiger Urin ist womöglich ein Anzeichen dafür, dass mit den Nieren etwas nicht in Ordnung ist.

Lebensmittel sind eine weitere mögliche Ursache für nicht-gelben Urin: Blaubeeren zum Beispiel färben ihn pink. Bei vielen schrillen alle Alarmglocken, wenn der Urin rötlich ist. Das kann aber mitunter auch harmlos sein. „Wer Rote Bete oder Unmengen Himbeeren gegessen hat, bei dem ist eine vorübergehend rötliche Färbung des Urins normal“, so Gräber.

Lässt sich spontan keine Erklärung für die rötliche Farbe des Urins finden und dauert die Rotfärbung an, sollte man umgehend zum Arzt gehen. Denn Blut im Harn kann ein Anzeichen für eine schwerwiegende Erkrankung sein. Gleiches gilt für schwarzen Urin: Der kann sogar ein Hinweis auf einen Tumor sein.

„Bei Frauen ist ein Harnwegsinfekt die häufigste Ursache von Blut im Urin“, sagt Matthias Orth. Der Chefarzt des Instituts für Laboratoriumsmedizin am Marienhospital Stuttgart ist Vorstandsmitglied des Berufsverbands Deutscher Laborärzte. Auch eine Nierenentzündung und Verletzungen der Nieren oder der Blase können hinter Blut im Urin stecken. Blut im Harn kann zudem ein Indiz für einen Tumor oder für Nierensteine sein.

Neben der Farbe verrät auch der Geruch von Urin einiges über den Gesundheitszustand. „Normalerweise hat frischer Urin gar keinen Geruch“, erklärt Schultz-Lampel. Der dem Harn eigene Geruch entsteht erst nachträglich, wenn der Urin mit Bakterien zersetzt ist. Vorübergehende Geruchsveränderungen können aber vorkommen: Meist sind sie harmlos. „Sie sind ernährungsbedingt und treten zum Beispiel nach dem Verzehr von Spargel, B-Vitaminen, Zwiebeln und Medikamenten auf“, so Gräber.

Riecht der Urin nach Ammoniak, kann dies aber ein Hinweis auf eine Harnwegsinfektion sein. Ein süßlicher Geruch deutet vielleicht auf Diabetes mellitus hin. Riecht der Urin fischig, dann liegt vor allem bei Frauen oft eine Infektion im Genitalbereich vor. Das kann neben einer Harnwegsinfektion oder Blasenentzündung auch eine Geschlechtskrankheit sein.

Grundsätzlich gilt: Sobald beim Urin über zwei Toilettengänge hinaus Farbe wie Geruch ungewöhnlich sind, sollte dies ärztlich untersucht werden. „Dies gilt vor allem dann, wenn Schmerzen, Fieber und Unwohlsein hinzukommen“, so Schultz-Lampel. dpa
   

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