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Home Sonderthemen Gesundheit Schlafräuber oder harmloser Reiz?
09:01 01.10.2019
Am Abend noch im gleißenden Licht des Smartphone-Displays: Ob das gut für den Schlaf ist? FOTOS: DPA

LANDKREIS. Viele Smartphones und Notebooks bieten inzwischen die Möglichkeit, den Blaulichtanteil im Display zugunsten eines wärmeren Farbspektrums zu reduzieren. Das soll den Schlaf verbessern. Doch ist da etwas dran? Experten sind sich uneins.

Fest steht: „Blaues Licht signalisiert uns, wach zu bleiben“, erläutert die Professorin Nicole Eter, Direktorin der Universitätsaugenklinik Münster. Rötliches Licht hingegen signalisiere: Es ist langsam Zeit fürs Bett – der Körper beginnt, das Schlafhormon Melatonin auszuschütten.

Für blaues Licht gibt es in der Netzhaut spezielle Rezeptoren. Diese sogenannten Ganglienzellen produzieren das Protein Melanopsin. „Sie leiten die Lichtreize direkt an unsere innere Uhr“, erklärt der Kölner Schlafmediziner Alfred Wiater.

Die „innere Uhr“ wiederum gibt den Impuls weiter an die Zirbeldrüse, in der das Melatonin produziert wird. „Blaues Licht unterdrückt die Melatoninabgabe und kann somit das Einschlafen verhindern“, schildert Wiater. Der daraus resultierende Schlafmangel sorgt für schlechte Stimmung, weniger Ausdauer und Konzentrationsprobleme. Langfristig bestehe bei Schlafmangel sogar ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf- und Stoffwechselstörungen sowie Depressionen.
   

„Unsere innere Uhr läuft automatisiert und ist auf einen 25-Stunden-Rhythmus eingestellt“, sagt hingegen Professor Olaf Strauß von der Berliner Charité. „Nur damit sie exakt läuft, braucht sie ab und zu den Abgleich durch das Tageslicht.“ Wer abends noch mal aufs Tablet schaut, bringe daher nicht gleich seinen Rhythmus durcheinander.

Zahlreiche Studien haben sich bereits mit Blaulicht und Schlafproblemen beschäftigt. „Rein wissenschaftlich gesehen ist da nicht viel dran“, sagt Strauß, der die Experimentelle Augenheilkunde an der Charité leitet. Niemand habe bislang belegen können, dass der Schlafrhythmus durch Displaylicht am Abend gestört wird. Kleinere Studien seien sogar zu extrem gegensätzlichen Ergebnissen gekommen.

Und noch etwas spricht gegen die These vom schlafraubenden Blaulicht: Seit dem Anfang des Jahrtausends wird diskutiert, bei Patienten, die am Grauen Star operiert wurden, eine blaulichtfilternde Linse einzusetzen, um die Netzhaut vor schädlichem Sonnenlicht zu schützen. „Eine Meta-Analyse hat jedoch festgestellt, dass das keinerlei Effekte auf Schlaf-Wach- Rhythmen hat“, berichtet Strauß.

Finnische Forscher haben 2018 Studien über den Zusammenhang zwischen blauem Licht und innerer Uhr analysiert. Sie kamen zu dem Schluss, dass zwar die Produktion von Melatonin unterdrückt wird, wenn man sich am Abend zwei Stunden blauem Licht aussetzt. Allerdings halte diese Wirkung nur 15 Minuten an. Sie schlussfolgerten aber ebenso, dass auch rotes Licht Einfluss auf die innere Uhr haben kann.
   

Warmes Licht per Knopfdruck: Auf dem iPhone heißt diese Funktion Night Shift.
Warmes Licht per Knopfdruck: Auf dem iPhone heißt diese Funktion Night Shift.

Somnologe Wiater betont aber, dass neben dem Licht auch weitere Faktoren berücksichtigt werden müssten: „Aus schlafmedizinischer Sicht ist neben der negativen Wirkung des blauen Lichtes auch der erhöhte Erregungslevel, der mit der Mediennutzung einhergeht, ein Faktor, der Schlafstörungen verursachen kann.“

Wiater hat zusammen mit Kollegen des Fraunhofer-Instituts für Umwelt, Sicherheits- und Energietechnik untersucht, ob Schichtarbeiter, die lange künstlichem Licht ausgesetzt sind, an Schlafmangel leiden. Ein Ergebnis: Kaltweißes bis neutralweißes Licht in der Spätschicht macht wacher, ohne sich negativ auf das Schlaf-Wach-Verhalten auszuwirken. Langzeitstudien sollen weitere Erkenntnisse liefern.

Laut Nicole Eter gibt es keine wissenschaftlich fundierte Empfehlung, wie lange man vor dem Schlafengehen auf blaues Licht verzichten sollte. „Es gibt heute so viele Störfaktoren, die den Schlaf beeinflussen – vielleicht sind die Menschen einfach unterschiedlich empfindlich“, sagt die Ärztin.

Ob schlaflos oder nicht: Die subjektive Wahrnehmung beim Blick aufs Display kann sich unterscheiden. „Nutzer empfinden es als angenehm, wenn das Licht etwas wärmer wird“, weiß Strauß. Ursache sind Streulichteffekte. Blaues Licht werde am meisten gestreut und könne die Sehschärfe vermindern. Das Licht trifft nicht nur die Zapfen, sondern auch die Stäbchen im Auge, die sich langsamer erholen. „So entsteht das Blendungsgefühl“, erläutert der Mediziner.

Wer sich also abends vom Displaylicht gestört fühlt, sollte aus Komfortgründen ruhig die Einstellmöglichkeiten an Smartphone, Tablet, Notebook oder Monitor nutzen. Auch der Dunkelmodus (Dark Mode), bei dem die Schrift kontrastreicher hervortritt, kann durchaus sinnvoll sein. „Auf jeden Fall ist die Schrift dann leichter zu lesen“, so Eter. „Ein Muss ist beides jedoch nicht.“ dpa
   


Autsch, das brennt

Aphthen im Mund tun weh, sind jedoch in aller Regel harmlos. FOTO: DPA
Aphthen im Mund tun weh, sind jedoch in aller Regel harmlos. FOTO: DPA

LANDKREIS. Beim Essen können kleine Entzündungen im Mund extrem unangenehm sein. Die gute Nachricht ist: In der Regel sind Aphthen harmlos. Dennoch ist in manchen Fällen ein Arztbesuch ratsam.

Sie messen meist nur wenige Millimeter, sorgen im Mund bisweilen aber trotzdem für große Schmerzen: Aphthen sind entzündete Stellen, die besonders oft an den Lippen und den Innenseiten der Wangen auftreten. Die Bläschen mit dem weißlichen Belag heilen normalerweise von allein und folgenlos ab, erläutert das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Gegen die Beschwerden helfen schmerzlindernde Gele oder Mundspülungen.

Wenn Aphthen nicht innerhalb von zwei Wochen verheilen oder sehr ausgeprägt sind, geht man besser zum Arzt. Das gilt ebenso, wenn zusätzlich beispielsweise die Lymphknoten anschwellen oder Mundgeruch auftritt. „Lasertherapien oder entzündungshemmende Tabletten sind nur bei schweren Verläufen als Behandlung sinnvoll“, erläutern die Experten.

Aphthen können sich durch Brennen, Kribbeln und eine raue Mundschleimhaut an der betroffenen Stelle andeuten. Diese rötet sich und schwillt an, ehe sich nach bis zu drei Tagen sich ein weißlicher Belag.

„Die Schmerzen lassen normalerweise nach einigen weiteren Tagen nach“, schreibt das IQWiG auf seinem Online-Portal. Und nach ungefähr sieben bis zehn Tagen sei die Entzündung in den meisten Fällen bereits wieder verschwunden. dpa
  

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