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Home Sonderthemen Gesundheit Unter Dauerbeschuss
08:20 05.06.2019
Hält auch das Immunsystem fit: Wer sich regelmäßig bewegt, wird oft auch besser mit Viren und Co. fertig.

LANDKREIS. Schon wieder Husten, Schnupfen, Heiserkeit? Dann ist möglicherweise das Immunsystem geschwächt. Doch was ist das eigentlich genau? Und wie lässt es sich stärken? 

Beim Kampf gegen ungebetene Eindringlinge vollbringt der Körper Tag und Nacht Höchstleistungen. Normalerweise funktioniert das problemlos. Aber manchmal erreichen Viren und Co. ihr Ziel: Sie bahnen sich einen Weg in den Körper und lösen dort Infektionen aus: zum Beispiel Husten und Schnupfen – oder Schlimmeres. Passiert das öfter, ist die Immunabwehr möglicherweise geschwächt. 

Aber was genau verbirgt sich eigentlich hinter dem Immunsystem? „Dieses System ist hochkomplex“, sagt Professor Ulrich Fölsch. Dem Facharzt für Innere Medizin und Gastroenterologie zufolge ist das Immunsystem überall im Körper: „Es ist ein Zusammenspiel von Zellen, Gewebe und Botenstoffen aller Art“. 

Mit der Haut fängt es an. Die Körperhülle ist eine Schutzbarriere und schmettert in aller Regel die Attacken von Keimen ab. „Die Haut hat einen leicht sauren pH-Wert, der verhindert, dass Bakterien und Co. in den Körper eindringen können“, sagt Fölsch, der auch Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) ist. Die Schleimhäute, die Nasenhaare und die Flimmerhärchen auf den Bronchien sorgen in der Regel ebenfalls dafür, dass Keime von außen keine Chance haben.

Gelangen Keime mit der Nahrung in den Körper, ist es der Speichel, der sie abzutöten versucht – und falls der scheitert, übernimmt die Magensäure diese Aufgabe. Daneben gibt es die natürliche Abwehr. „Das sind Zellen im Körper, die einfach alles auffressen, was körperfremd erscheint“, erläutert Fölsch. Zu diesen sogenannten Fresszellen gehören Makrophagen und Monozyten.

Schafft es diese natürliche Abwehr nicht, Erreger außer Gefecht zu setzen, dann aktiviert der Körper die spezifische Abwehr: Das sind die sogenannten B-Lymphozyten und T-Lymphozyten, die zur Gruppe der weißen Blutkörperchen gehören. Sie entwickeln Antikörper, die spezifisch gegen dem Körper bekannte Erreger wirken. „Das liegt daran, dass das Immunsystem quasi eine Art Gedächtnis hat und sich daran erinnert, schon einmal mit diesen Keimen zu tun gehabt zu haben“, erklärt Fölsch.
  

Eine Pause ist die beste Verteidigung: Schlafmangel schwächt das Immunsystem. FOTOS: DPA
Eine Pause ist die beste Verteidigung: Schlafmangel schwächt das Immunsystem. FOTOS: DPA

Wird der Körper mit einer erneuten Attacke des gleichen Erregers konfrontiert, erkennt das spezifische Immunsystem dies und kann den Erreger zügig unschädlich machen. „Wer einmal Scharlach hatte, bekommt die Krankheit nie wieder“, so Fölsch. Anders bei der Grippe: Weil die Erreger ständig ihre Zusammensetzung ändern, erkrankt der Mensch oft mehr als einmal im Leben an Grippe.

Zu Infektionen – gleich welcher Art – kommt es dann, wenn das Immunsystem geschwächt ist. Dies kann unterschiedliche Gründe haben: von Schlafmangel, Unterkühlung und Dauerstress über chronische Krankheiten wie Diabetes bis hin zu einer erworbenen Immunschwäche – zum Beispiel Aids.

Auch Medikamente können das Immunsystem schwächen: „Vorsichtig sollte man vor allem mit der Einnahme von Antibiotika sein – und sie nur nach Rücksprache mit dem Arzt einnehmen“, erklärt Fölsch. Denn Antibiotika zerstören nicht nur die fremden Eindringlinge, sondern auch nützliche Bakterien, die vor allem der Darm für eine reibungslose Verdauung braucht.

Wer häufiger und in kurzen Abständen unter Infektionen leidet, sollte ausloten lassen, wie sich die Immunabwehr stärken lässt. „Oft helfen schon einfache Mittel“, sagt Ursula Sellerberg von der Bundesapothekerkammer. Dazu gehört eine gesunde und ausgewogene Kost. „Nahrungsergänzungsmittel sind für die Immunabwehr nicht nötig, wenn man sich vernünftig ernährt.“

Ebenfalls gut, um das Immunsystem zu stärken: Bewegung an der frischen Luft oder Sport. „Wichtig ist auch, sich mehrfach am Tag die Hände zu waschen, um krankmachende Erreger wegzuspülen“, so Sellerberg. Für Stressgeplagte kann es zudem hilfreich sein, Entspannungsmethoden zu erlernen. „Das ist nicht nur gut fürs Immunsystem, sondern auch fürs Nervensystem“, betont Fölsch.

„Nicht unterschätzt werden darf auch der Faktor Schlaf“, sagt die Medizinerin. Ihrer Einschätzung zufolge schlafen viele Leute nicht ausreichend. „Schlafmangel kann sich definitiv negativ auf die Immunabwehr auswirken.“ Und noch einen Tipp hat die Professorin: „Barfuß laufen – das stärkt nicht nur die natürliche Immunabwehr, sondern ist auch für den Bewegungsapparat förderlich.“ dpa


Fürs Händewaschen sollte man sich ruhig etwas mehr Zeit nehmen. FOTO: DPA
Fürs Händewaschen sollte man sich ruhig etwas mehr Zeit nehmen. FOTO: DPA

LANDKREIS. Hauptsache angenehm: Beim Händewaschen kommt es nicht so sehr auf die Temperatur an – sondern eher auf die Länge, reichlich Seife und die richtige Technik. Darauf weist die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) hin.

Regelmäßiges und gründliches Händewaschen ist ein effektiver Schutz vor Krankheiten. Denn Erreger aller Art gelangen sonst über die Hände an Mund, Nase oder Augen – und von dort über die Schleimhäute in den Körper.

Das gilt für Erwachsene und noch mehr für Kinder: „Aufgrund des noch nicht ausgereiften Immunsystems und ihrer täglichen Nähe zu anderen Kindern ist das Ansteckungsrisiko hier höher“, sagt Professor Philippe Stock, Chefarzt am Altonaer Kinderkrankenhaus in Hamburg.

Am saubersten werden die Hände nach Angaben des BZgA unter fließendem Wasser und mit Seife überall – auch an Daumen und Handrücken sowie in den Fingerzwischenräumen. 20 Sekunden sollte die Prozedur mindestens dauern, bei stark verschmutzen Händen länger. Danach sollte man die Hände gründlich abtrocknen und nicht einfach trocknen lassen. Auch die letzten Keime, die noch an den Händen haften, werden so entfernt. r

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