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Home Sonderthemen Familie/Kinder/Senioren Vorher reden statt hinterher streiten
07:30 14.02.2018
Man muss nicht immer an einem klassischen Grab gedenken: Zum Trauern und Erinnern eignen sich auch sehr persönliche Orte – zum Beispiel ein Spazierweg.          FOTO: DPA

14.02.2018

Familie/Kinder/Senioren

LANDKREIS. Die Trauer um einen geliebten Menschen ist schon schlimm genug. Doch manchmal kommt auch noch Streit hinzu – nämlich dann, wenn die Hinterbliebenen uneins über die Bestattung sind. Aber es gibt Wege, um Lösungen zu finden.

Die einen wünschen sich eine Bestattung im engsten Familienkreis, die anderen möchten alle Freunde des Verstorbenen teilhaben lassen: Gibt es in der Familie Streit um Bestattung und Trauerfeier, ist das für Hinterbliebene oft doppelt schmerzhaft.

„Deshalb sollte man am besten schon zu Lebzeiten darüber sprechen“, empfiehlt die Trauerbegleiterin Nicole Rinder. Das müsse zwar nicht im Detail geschehen, Dinge wie der Beerdigungsort sollten aber geklärt werden.

Doch oft wird so etwas gar nicht besprochen – oder die Angehörigen sind sich nicht sicher, ob das wirklich der Wunsch des Verstorbenen war. „Viele sagen vor ihrem Tod, sie möchten niemandem zu Last fallen und wollen deshalb nur eine ganz kleine Bestattung oder ein anonymes Grab“, erzählt Rinder.

Manche Angehörige möchten dann aber doch eine Trauerfeier oder ein richtiges Grab, an dem sie trauern können. „Dann muss man immer schauen, was die Gründe für die einzelnen Wünsche sind“, sagt Rinder.

Selbstverständlich gelte es, den Wunsch des Verstorbenen zu berücksichtigen. Wollte der aber vielleicht seine Familie nur schonen? „Dann steht dieser Wunsch nicht über allem – schließlich müssen die Überlebenden damit klarkommen.“

Manchmal ist auch ein Kompromiss empfehlenswert: zum Beispiel ein kleiner Abschied im engsten Familienkreis und etwas später eine größere Gedenkfeier mit Freunden, Kollegen und Nachbarn. „Oder es sind viele bei der Trauerfeier dabei, und nur wenige gehen danach gemeinsam essen“, gibt Rinder ein Bespiel.

Oft helfe es bereits, den Blick der Familie zu öffnen für Freunde und Bekannte. „In der eigenen Trauer sieht man vielleicht nicht, wie wichtig ein Abschied auch für andere ist.“

Streit gibt es manchmal auch über die Art und Weise, wie und wo der Verstorbene bestattet werden soll. Vielleicht wünscht sich der Sohn eine Erd-, die Tochter aber eine Feuerbestattung. Manche wünschen sich ein Grab in der Heimat, andere im letzten Wohnort. „Im Idealfall einigt man sich frühzeitig“, sagt Rinder. „Aber letztlich muss einer die Verantwortung übernehmen und die Entscheidung treffen.“

Wer dann bei seinen Wünschen zurückstecken muss, kann für sich vielleicht eigene Wege finden. „Dann sollte man für sich einen persönlichen Ort zum Gedenken suchen“, meint Rinder. „Das kann eine Bank im Garten sein – oder man kann im Haus eine Kerze aufstellen.“ Manchmal sei es aber auch eine bestimmte Stelle an einem Spazierweg oder irgendein Ort, den man mit dem Verstorbenen verbindet. dpa


Bestattungshaus Becker

Nicht wegschieben

Was bei unverarbeiteter Trauer passieren kann

Die Trauer um einen nahen Angehörigen kann bis zu zwei Jahre dauern. Ein solch existenzieller Verlust kann körperliche und psychische Folgen haben. FOTO: DPA
Die Trauer um einen nahen Angehörigen kann bis zu zwei Jahre dauern. Ein solch existenzieller Verlust kann körperliche und psychische Folgen haben. FOTO: DPA

LANDKREIS. Der Verlust eines nahen Angehörigen oder eines guten Freundes ist hart. Unter der Trauer leiden Körper und Psyche. Das ist für eine gewisse Zeit normal. Es kann aber auch zum bleibenden Problem werden.

Wenn ein naher Angehöriger stirbt, ist das ein Schlag: ein existenzieller Verlust, der psychische und körperliche Folgen haben kann. „Die Trauerphase kann bis zu zwei Jahre dauern“, sagt Iris Hauth, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN).

Es könne aber auch sein, dass Betroffene in der Trauer steckenbleiben und sich die Symptome sogar verschlimmern. Experten sprechen dann von pathologischer Trauer, die auch zu einer Depression oder in eine Sucht führen kann. In der Regel beeinträchtigt pathologische Trauer auch den Alltag und die Fähigkeit, sich neu zu binden.

Die Anzeichen frühzeitig zu erkennen, ist nicht so leicht. „Wer die Bedeutung des Angehörigen verleugnet, sollte das als Warnsignal nehmen“, sagt Hauth. Auch wenn man sich beispielsweise nach der Beerdigung in die Arbeit stürzt und alle Formalitäten erledigt, kann das ein Zeichen sein.

Gleiches gilt, wenn man Rituale – zum Beispiel den Frühstückstisch für den Verstorbenen mit eindecken – partout nicht aufgibt oder man gar nicht zur Ruhe kommen und über das Geschehene nachdenken mag. Ein weiteres Warnsignal ist, den Verlust und den Umgang damit kleinzureden und zu bagatellisieren.

Bemerkt man solche Verhaltensweisen, sollte man innehalten, über das Geschehen nachdenken und am besten mit einem guten Freund oder nahen Angehörigen darüber sprechen, empfiehlt Hauth. Im Zweifel holt man sich professionelle Hilfe beim ärztlichen oder psychologischen Psychotherapeuten. „Trauerarbeit ist Arbeit für die Psyche.“

Grundsätzlich kann Trauer kognitive Störungen wie Konzentrationsprobleme mit sich bringen. Sehnsucht, Einsamkeit, gefühlte Sinnlosigkeit, vielleicht auch Schuldgefühle machen Trauernden emotionale Probleme, so Hauth. Außerdem kann Trauer zu körperlichen Beschwerden wie Kreislaufproblemen führen. Nicht zuletzt neigen Trauernde dazu, sich abzukapseln. All das ist laut Hauth „eine normale Reaktion – solange es in einem gewissen Rahmen bleibt“. dpa

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