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Home Sonderthemen Gesundheit Vorsicht vor dem Teufelskreis
13:13 27.09.2018
Gegen Kopfschmerzen und Co. können Schmerzmittel kurzfristig helfen. Bei chronischem Schmerz ist allerdings Vorsicht angesagt. FOTOS: DPA

LANDKREIS. Bei akuten Schmerzen im Alltag helfen ASS, Ibuprofen und Co. Doch die leichtfertige Einnahme solcher Medikamente birgt Risiken. Wann Schmerztabletten bedenkenlos eingenommen werden dürfen – und wann Patienten besser einen Arzt zurate ziehen.

Wenn der Kopf schmerzt, es im Rücken zwickt oder Menstruationsschmerzen den Alltag bestimmen, greifen viele schnell zur Schmerztablette. Rezeptfrei in der Apotheke erhältlich, sind Ibuprofen, Paracetamol und Co. längst zu alltäglichen Begleitern geworden.

Aber völlig sorglos und langfristig sollten diese kleinen Helfer nicht eingenommen werden. „Schmerz ist immer auch ein Signal dafür, dass etwas schiefläuft“, sagt Hartmut Göbel, Chefarzt der Schmerzklinik Kiel.
Nicht jeder Schmerz müsse behandelt werden, erklärt Michael Schenk, Chefarzt für Anästhesiologie und Intensivmedizin an der Schmerzklinik Berlin. Entscheidend sei das persönliche Schmerzempfinden. „Wenn Schmerz meinen Alltag maßgeblich beeinflusst, dann ist es völlig in Ordnung, eine Tablette zu nehmen.“ Maximal eine Woche dürfe sich der Patient selbst behandeln.

Das schwächste Mittel ist Göbel zufolge Paracetamol. Bei Erwachsenen wirkt es kaum stärker als ein Placebo“, sagt Oliver Emrich, Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin. Nebenwirkungen gibt es dennoch. „In zu hoher Dosierung kann der Wirkstoff zu einer schweren Leberschädigung führen“, warnt Schenk. Über den Tag verteilt dürfen maximal vier Gramm eingenommen werden.

Bei Kopf- und Gelenkschmerzen oder Virusinfektionen mit Gliederschmerzen empfiehlt Emrich Ibuprofen. Maximal 800 Milligramm drei Mal täglich können Erwachsene seiner Ansicht nach einnehmen. Aufpassen müssen Patienten mit Herzkrankheiten, Nierenschwäche, hohem Blutdruck oder Magenproblemen. Acetylsalicylsäure kommt vor allem in der Migränetherapie zum Einsatz. 

Gegen fast alle Schmerzen gibt es ein wirksames Gegenmittel. Nur: Zu lange und zu oft sollten Patienten nicht zu Schmerztabletten greifen.
Gegen fast alle Schmerzen gibt es ein wirksames Gegenmittel. Nur: Zu lange und zu oft sollten Patienten nicht zu Schmerztabletten greifen.

Selbst behandeln sollten Patienten generell nur kurz auftretende Schmerzen. „Werden Schmerzen chronisch, sollte unbedingt ein Arzt konsultiert werden“, sagt die Allgemeinmedizinerin Annette Becker, Professorin an der Uni Marburg. Der Grund: Greift jemand häufig zum Beispiel zur Tablette gegen Kopfschmerzen, wird er Schmerzen gegenüber immer empfindlicher.

Wer sowieso schon regelmäßig Kopfschmerzen hat, riskiert bei der häufigen und monatelangen Einnahme von Kopfschmerztabletten den sogenannten medikamenteninduzierten Kopfschmerz. Dabei werden die Kopfschmerzen paradoxerweise immer schlimmer – statt besser.

„Verursacher hiervon sind Veränderungen im Schmerzzentrum des Gehirns“, erklärt Becker. Nehme der Patient einmal keine Tablette, setze ein neuer Kopfschmerz ein: eine Art Entzugserscheinung. Der vermeintlich einfachste Ausweg: noch mehr Schmerzmittel. Doch weil sich der Körper an die Schmerzmittel gewöhnt, werden die Schmerzen von Mal zu Mal schlimmer. Dadurch gerät der Patient in einen Teufelskreis.

Um diesem zu entkommen, müssen Betroffene zuerst eine strikte Medikamentenpause einhalten. Anschließend gilt die 10/20-Regel: An weniger als zehn Tagen pro Monat soll eine Kopfschmerztablette eingenommen werden. Mindestens 20 Tage im Monat sollten tablettenfrei bleiben.

Damit diese Tage nicht zur Qual werden, sollten Patienten andere Wege nutzen, um dem Schmerz zu entkommen. Es gibt den Experten zufolge eine ganze Reihe von Stellschrauben, an denen man selbst drehen könne. So spielen beispielsweise auch die richtige Ernährung, viel Bewegung und ein möglichst regelmäßiger Tagesrhythmus mit gesundem Schlaf in der Nacht eine wichtige Rolle in der Schmerztherapie. dpa

Schmerzen im Brustkorb sind häufig eine Begleiterscheinung anderer Erkrankungen. Deswegen sollte man unbedingt zum Arzt gehen. FOTO: DPA
Schmerzen im Brustkorb sind häufig eine Begleiterscheinung anderer Erkrankungen. Deswegen sollte man unbedingt zum Arzt gehen. FOTO: DPA

LANDKREIS. Eine Rippen-fellentzündung ist äußerst schmerzhaft. Sie heilt zwar normalerweise ohne Folgen aus. Zum Arzt gehen muss man dennoch. Denn meist ist die sogenannte Pleuritis Begleiterscheinung einer ernsten Erkrankung. Das Schlimmste ist: Die Schmerzen lassen sich nicht umgehen. Wer sich eine Rippenfellentzündung zugezogen kann, dem tut jeder Atemzug im gesamten Brustkorb weh. Atmen muss man aber trotzdem.

Und als wäre das nicht schon leidvoll genug, plagen den Betroffenen auch noch heftige Hustenattacken, die ihrerseits schmerzen. Dazu kommen manchmal noch Fieber und Nachtschweiß. Häufig ist die Entzündung eine Begleiterscheinung anderer Erkrankungen. Deswegen ist es wichtig, die Ursachen abklären zu lassen.

„Eine Rippenfellentzündung wird in vielen Fällen durch eine Lungenentzündung ausgelöst“, sagt Sabine Gehrke-Beck. Die Fachärztin für Allgemeinmedizin ist wissenschaftliche Mitarbeiterin der Charité-Universitätsmedizin in Berlin. Die Entzündung kann aber auch begleitend oder infolge von Tuberkulose oder Rheuma auftreten. Auch ein Tumor in der Lunge oder im Brustkorb kann dahinterstecken – ebenso wie eine Virusinfektion.

Zwischen dem Lungen- und dem Brust- oder Rippenfell befindet sich ein schmaler Zwischenraum. Das ist die sogenannte Pleuraspalte, in der sich immer etwas Körperflüssigkeit befindet. Diese sorgt dafür, dass sich Lungen- wie Rippenfell beim Ein- und Ausatmen verschieben können, ohne aneinander zu reiben. Sind die beiden Häute entzündet, nennen Ärzte das Pleuritis oder Rippenfellentzündung.

Unterschieden wird zwischen einer trockenen und einer feuchten Variante. Bei einer trockenen Rippenfellentzündung befindet sich keine zusätzliche Flüssigkeit in der Pleuraspalte. „Dann ist die Rippenfellentzündung ganz besonders schmerzhaft“, erläutert Gehrke-Beck.

Bei einer feuchten Rippenfellentzündung gibt es in der Pleuraspalte einen Erguss, der aus den entzündeten Zellen stammt. „Wenn Flüssigkeit zwischen die Rippenfellblätter gelangt, nehmen die Schmerzen oft ab“, sagt die Ärztin. Sind die Flüssigkeitsmengen sehr groß, kann sich die Lunge allerdings nicht mehr genügend ausdehnen. Dann kommt es zu Atemnot.

„Bei Schmerzen beim Atmen sollten Betroffene nichts in Eigentherapie versuchen, sondern unbedingt einen Arzt aufsuchen“, erklärt Ursula Sellerberg von der Bundesapothekerkammer.

Die Therapie der Entzündung unterscheidet sich je nach Ursache. „Bei einer Lungenentzündung werden Antibiotika verordnet, eine Viruserkrankung heilt ohne aus“, sagt Gehrke-Beck. Damit bei der Rippenfellentzündung das Atmen nicht länger wehtut, kann der Patient Schmerztabletten nehmen.

Der Hustenreiz ist nicht nur schmerzhaft, sondern raubt vielen auch den Schlaf. Manch einem bringen pflanzliche Mittel etwas Linderung. „Das können beispielsweise Medikamente mit Extrakten aus Arzneipflanzen wie Spitzwegerich oder Thymian sein“, erklärt Sellerberg. „Auch Lindenblütentee kann bei trockenem Husten helfen.“

Steckt eine Lungenentzündung hinter den Beschwerden, ist zunächst Bettruhe angesagt. Bis die Erkrankung ausgeheilt ist, können Wochen vergehen.

Fühlt sich der Patient schon besser, sollte er Atemübungen machen. Dafür einfach an die frische Luft gehen, sich aufrecht hinstellen und die Arme langsam anheben. Dann tief einatmen. So gelangt Sauerstoff in die Lunge.

Beim Ausatmen lässt man die Arme wieder herunterschwingen und beugt den Oberkörper weit nach vorn. Diese Übung tut übrigens auch Gesunden gut: „Sie entspannt und fördert die Konzentration“, sagt Gehrke-Beck. dpa


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