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Home Sonderthemen Familie/Kinder/Senioren Schaumburg: Was tun, wenn er nicht fragt?
08:42 24.09.2020
Der Heiratsantrag ist stark mit traditionellen Vorstellungen verknüpft.

LANDKREIS. Die Beziehung läuft gut, man teilt sich seit drei Jahren ein Klingelschild, und auch beruflich geht inzwischen alles seinen geregelten Gang. Im Kopf wird ein Gedanke immer lauter: „So langsam wäre es Zeit für einen Heiratsantrag.“ Doch der Liebste regt sich nicht. Was dann?

Kaum ein Thema in der Liebe ist so stark mit fixen Vorstellungen verknüpft wie der Heiratsantrag. Darunter fällt auch die Erwartung, dass der Mann für den Heiratsantrag zuständig ist. „Eine Tradition, die über lange Zeit gewachsen ist“, erklärt der Paarberater Eric Hegmann. „Schließlich hatten Frauen vor 200 Jahren noch kein Mitspracherecht bei der Frage, mit wem sie eine Ehe eingehen möchten.“

Damals richtete der Bräutigam seinen Heiratswunsch jedoch nicht an die Angebetete selbst, sondern an deren Vater. Gab die Familie der Braut ihre Zustimmung, ging es vor den Altar. Heutzutage wird der väterliche Segen höchstens symbolisch eingeholt. Das Muster, dass meist der Mann die Initiative ergreift, besteht immer noch. „Ob das noch zeitgemäß ist, muss jeder für sich selbst beurteilen“, meint Hegmann.

Heiratsanträge werden romantisch verklärt

Doch warum werden Frauen vergleichsweise selten aktiv, wenn es um den Antrag geht? Robert A. Coordes vom Institut für Beziehungsdynamik (Berlin) hat eine Erklärung: „Heiratsanträge werden romantisch verklärt“, erläutert der Fachmann. Für viele Frauen sei ein Antrag des Mannes die Bestätigung „Er bekennt sich endlich zu mir“.

Viele werten einen Antrag als ultimativen Liebesbeweis – eine Vorstellung, die durch Filme, Romane und soziale Medien genährt wird. „Die wahren Liebesbeweise finden jedoch im Zusammenleben statt“, findet Hegmann. Hier helfe es, sich klarzumachen, dass die Unterstützung in Krisen mehr aussage als ein riesiger Strauß aus den Lieblingsblumen.

Nicht zuletzt vermittele das Konzept „Mann fragt Frau“ auch Sicherheit, weil es klare Zuständigkeiten benenne. „Je moderner die Gesellschaft wird, desto eher orientieren wir uns an Traditionen“, hat die Paartherapeutin Vera Matt beobachtet.

Was steckt hinter dem Wunsch nach einem Antrag?

Jenen Frauen, die sehnsüchtig auf einen Antrag warten, empfiehlt Hegmann, darüber nachzudenken, warum es ihnen so wichtig ist, dass der Liebste diesen Schritt macht. Steckt dahinter der Wunsch nach Bestätigung oder Sicherheit? Oder liegt es daran, dass nahezu alle im Freundeskreis einen Ring am Finger tragen? „Das hilft, die eigene Situation einzuordnen.“

Wer sich einen Antrag wünscht, kann laut Matt drei Dinge tun: abwarten, ansprechen oder aktiv werden. Abwarten sei dabei die schlechteste Wahl, meint die Expertin. Stillhalten und hoffen führe meist zu Frust. Und dieser sorgt womöglich dafür, dass man mit kleinen, spitzen Äußerungen Druck und Vorwürfe in die Beziehung bringt.

„Besser ist es, seinen Wunsch nach einer Hochzeit klar anzusprechen“, sagt Matt. In diesem Gespräch könne man deutlich machen, warum man die Ehe für wichtig hält. Alternativ bleibe die Option, sich von gängigen Vorstellungen zu lösen – und als Frau den Antrag zu machen.

Nach dem „Ja“ gehören die passenden Ringe für Verlobte beziehungsweise Verheiratete unbedingt dazu. FOTOS: DPA
Nach dem „Ja“ gehören die passenden Ringe für Verlobte beziehungsweise Verheiratete unbedingt dazu. FOTOS: DPA

Warum nicht am Küchentisch über Hochzeit sprechen?

„Ein Heiratsantrag ist ein festgelegtes Ritual“, macht Matt deutlich. „Aber wer sagt eigentlich, dass man das als Paar genau so nachtanzen muss, wie es immer vermittelt wird?“ Bei Antipasti und einer Flasche Wein am Küchentisch auszuhandeln, ob man heiraten möchte, ist ihren Angaben zufolge genauso legitim wie die klassische Vorgehensweise.

Nicht jeder Antrag endet jedoch damit, dass sich beide Partner in den Armen liegen. Manchmal zerstört ein „Nein“ den Traum vom Traualtar und sorgt für Zweifel. „In diesem Fall ist Vermittlungsarbeit ganz wichtig“, erläutert Coordes. „Schließlich basiert ein Heiratsantrag auf dem Gedanken, dass es zwischen beiden grundsätzlich passt.“

Wichtig sei es dann, gemeinsam aufzuklären, warum einer der beiden die Ehe nicht für das richtige Lebensmodell hält. Daraus ergebe sich, ob das Paar gemeinsam weitermachen kann. „Damit erst gar keine unklare Situation entsteht, ist es sinnvoll, bereits im Laufe der Beziehung vorzufühlen, ob sich der oder die Liebste eine Ehe vorstellen kann“, schlägt Coordes vor. dpa